16. - 18. Oktober 2009 / 20:30 Uhr | PREMIERE! Bei Nacht Tanztheater von Johannes Härtl. Wenn sich vertraute Grenzen auflösen und das Individuum schutzlos auf sich selbst reduziert ist. Wenn die Nacht zum Tag gemacht wird. Wie lange dauert eine Nacht. Wenn man gewohnte Bewegungsmuster verlässt. Wenn Hierarchien sich ändern. "Zur Nachtzeit glaubt ein Atheist halb an Gott." Edward Young, Nachtgedanken Das Stück „Bei Nacht“ (2009) stellt den Abschluss einer Trilogie („Ego, fertig, los!“, 2007), „Sieben Laster – Sieben Sünden“ (2008) dar, in dem das Individuum den choreographischen Fokus bestimmt. Während es in „Ego, fertig, los!“ (2007) im Wesentlichen darum ging, den echten Kern des Individuums, das unverfälschte, wahre Ich in (selbst-) befreiten Momenten der Tänzer/innen auf der Bühne darzustellen, setzte sich das Tanzstück „Sieben Laster – Sieben Sünden“ (2008) mit übersteigerten Formen der Ichbezogenheit und seiner Wirkungen auf den Einzelnen und sein soziales Umfeld auseinander. „Bei Nacht“ untersucht die Auswirkungen von, global gesehen, immerhin der Hälfte unserer Zeit auf den Einzelnen. "... die Tänzer werfen sich mit blendender Technik in Härtl versiert zwischen verhakten Körper-Kontakt-Figuren, Kampfsport-Kicks und barock sich kringelnden Handgesten changierendes Vokabular." Malve Gradinger, Münchner Merkur, 22.09.2008 "... ein Tableau von Bosch..." Isabell Winklbauer, access to dance, 15.09.2008 Das biologische Leben auf der Erde wird bestimmt durch den evolutionär bedingten Tag- und Nachtrhythmus. Alle Körperfunktionen wie Leistung, Stimmung, Müdigkeit haben Hoch- und Tiefphasen, die sich beim Menschen in einem Rhythmus von 24 Stunden, aber auch in Monaten und Jahren wiederholen (Biorhythmus). Die Chronobiologie als relativ junger, an Bedeutung zunehmender Wissenschaftszweig beschäftigt sich mit der zeitlichen Organisation von Organismen. Die zeitliche Organisation des Menschen und die Ausrichtung des Lebens nach übergeordneten und individuellen Rhythmen, nach der sogenannten inneren Uhr, sind für das Verhalten des Menschen von existenzieller Bedeutung. "Früher erbrach ich jede Nacht, ich trank so viel, als ich etwa 18 oder 19 war. Wo ich dann hinkotzte? Überallhin." Michael Hutchence, britisches Musikmagazin »Smash Hits« vom 23. März 1987 Das unterscheidende Merkmal der Phasen „Tag“ und „Nacht“ ist das natürliche Sonnenlicht. Der Tag zeichnet sich aus durch Licht/ Helligkeit, Wärme, Aktivität, soziale Interaktion, Reize, Wachsamkeit, geschärfte Sinne und Wahrnehmungen. Insgesamt befinden sich am Tag viele Lebensprozesse auf einem hohen Aktivitätslevel. Neben der Tatsache, dass sie den Menschen in die Lage versetzen, aktiv mit der Umwelt in Kontakt zu treten, bieten sie dem Individuum gleichzeitig eine erhöhte Schutzfunktionen seiner Selbst. „In der Nacht sind alle Kühe schwarz, auch die blonden.“ Karl Kraus Im Gegensatz dazu ist das wesentliche Merkmal der Nacht die Dunkelheit und damit verbundene biologische, soziale, aber auch moralische Vorgänge des Individuums. Bei Nacht verändert sich gegenüber dem Tag der strukturelle Rahmen, ändern sich Grenzen, Wahrnehmungen und Prozesse. Mit: Davide Bellotta, Cedric Huss, Marie Preußler, Marie-Sol Sandberg, Tobias Spori & Michael Tang Understudy: Amanda Billberg Work in Progress am 27.9. 09, 19 Uhr im Haus der Kulturen, Waldkraiburg 'Bei Nacht' wird gefördert vom Kulturreferat der Landeshauptstadt München. |